Polder, Deiche und das Zwin
Das Land von Knokke-Heist wurde Stück für Stück dem Meer abgerungen, am Meeresarm, der Brügge mit der Nordsee verband.
- Deiche gegen das Meer: im 9. und 10. Jahrhundert entstanden bei Heist die ersten Deiche, und ab dem 11. Jahrhundert gewannen die Bewohner durch Eindeichung von Salzwiesen immer mehr Land.
- Das Zwin nach Brügge: über das Zwin, das durch die Sturmflut von 1134 größer wurde, war Brügge für Seeschiffe erreichbar und wurde im 12. Jahrhundert zu einem wichtigen Handelszentrum.
- Seezeichen: die Kirchtürme von Westkapelle und Knokke dienten den Schiffen auf dem Weg nach Brügge als Seezeichen.
- Versandung: durch Eindeichungen und Anlandung versandete das Zwin, sodass Brügge Vorhäfen brauchte: zuerst Damme, danach Hoeke, Mude und Sluis.
Ein Naturgebiet: von der einst sechs Kilometer breiten Mündung blieb eine Strandrinne mit Watt und Salzwiesen, heute das Naturgebiet rund um das Besucherzentrum Het Zwin.
Knok und Heys: zwei Dörfer
Knokke und Heist entstanden als kleine Polder- und Fischerdörfer, jedes mit einer eigenen Geschichte hinter dem Namen.
- Die Knok: der Name Knokke geht auf das alte Wort knok zurück, eine hohe, anwachsende Landzunge im Meer; auf diesem Dünenanwachs entstand das Dörfchen Ten Knokke mit einer Kapelle der heiligen Katharina.
- Fischer in Knokke: Knokke entstand vermutlich im 13. Jahrhundert nach Eindeichungen, und die Fischerei war lange die wichtigste Einnahmequelle.
- Koudekercke und Heys: Heist wuchs aus zwei Kernen; beim Hof van Koudekercke entstand die Pfarrei Koudekercke (1221), und beim Hof ter Heys am Deich das Dorf Heys, das um 1600 Heyst hieß.
- Heyst-aan-Zee (1877): 1877 wurde der offizielle Name Heyst-aan-Zee, später Heist-aan-Zee.
Das Leben an der Küste: in einem alten Schulgebäude in Heist erzählt das Museum Sincfala die Geschichte der Fischer und Polderbauern der Zwinregion.
Der Aufstieg des Badeorts
Wann die ersten Touristen nach Heist und Knokke kamen, ist nicht genau bekannt, doch im 19. Jahrhundert wuchs das Seebaden schnell.
- Gästelisten (1839): 1839 erinnerte der Gouverneur die Gemeinde Heist an die Pflicht der Wirte, eine Liste ihrer Gäste zu führen.
- Ein steinerner Seedeich: wegen der steigenden Zahl der Badegäste ließ Heist Straßen pflastern, Wasserpumpen aufstellen und ein erstes Stück steinernen Zeedijk mit Laternen und Bänken anlegen; die ersten Hotels waren Pavillon du Phare, das Kursaal und das Hotel de la Plage.
- Mit dem Zug ans Meer (1863): am 16. August 1863 erreichte die Eisenbahn Heist über eine Strecke via Blankenberge.
- Werbung (1877): 1877 machte Heist erstmals Werbung in den wichtigsten Bahnhöfen, Zeitungen und Zeitschriften.
- Rund um den Leuchtturm: in Knokke entstanden beim Leuchtturm am Ende des Zeeweg die ersten einfachen Gaststätten wie Au Congo und die Marguerite; die ersten Feriengäste waren Künstler rund um den Maler Alfred Verwee.
- Straßenbahn und Parzellierung: 1887 folgte in Knokke die erste Parzellierung, 1890 kam die Kleinbahn von Heist nach Brügge und 1904 eine Pferdebahn von Knokke Dorf nach Knokke aan Zee, die Vorläuferin der Küstenstraßenbahn.
Het Zoute, Golf und Casino
Im 20. Jahrhundert wurde Knokke zu einem der schicksten Badeorte Belgiens.
- Compagnie Het Zoute (1908): 1908 wurde die Compagnie Immobilière du Zoute gegründet, um die Gründe des Zoute Polders zu parzellieren, mit der adligen Familie Lippens als wichtigstem Eigentümer.
- Englische Gäste: die ersten Feriengäste in Het Zoute waren vor allem Engländer, die Tennis und Golf mitbrachten; so entstand einer der ältesten Golfplätze des Festlands.
- Albertstrand (1922): 1922 begann die Erweiterung Albertstrand, die dritte Säule des Wachstums vom Polderdorf zum Badeort.
Das Casino (1931): zwischen 1929 und 1931 wurde nach einem Entwurf von Léon Stynen das Casino Knokke gebaut, mit Kunstwerken von René Magritte, Paul Delvaux und Keith Haring.- Das Songfestival: von 1959 bis 1973 fand in Knokke ein bekanntes internationales Songfestival statt.

Krieg, Fusion und moderne Badestadt
Zwei Weltkriege hinterließen ihre Spuren, danach wurde Knokke-Heist zur bekannten Badestadt von heute.
- Munition im Meer: nach dem Ersten Weltkrieg wurde direkt vor der Küste auf einer Sandbank eine große Menge Munition versenkt; es ist das größte Munitionslager Belgiens.
- Befreiung der Zwinregion: im Zweiten Weltkrieg wurde während der Schlacht an der Schelde auch hier gekämpft; das For Freedom Museum in Ramskapelle erzählt davon.
- Wiederaufbau: nach dem Krieg, vor allem nach 1955, kam der Bauboom wieder in Gang, und viele alte Gebäude wurden durch Apartments und Villen ersetzt.
- Abschied von der Straßenbahn: in den 1950er Jahren verschwanden die meisten lokalen Straßenbahnlinien; nur die Küstenstraßenbahn nach Oostende und De Panne blieb.
- Knokke-Heist (1971): 1971 wurden Knokke, Heist und die Polderdörfer Ramskapelle und Westkapelle zur Gemeinde Knokke-Heist zusammengelegt.




